Ansprache beim Jugendevent am Freitag, den 27.09.2002: "Leben - wozu?" (von Pfarrer Opitz)

Zwei Freunde treffen sich auf der Straße. Der eine bewegt sich fast im Dauerlauf vorwärts. Er hat gerade noch Zeit für einen kurzen Gruß: "Hallo!" Der andere ruft ihm zu: "Wo läufst du denn hin? Wieso hast es denn so eilig?" Der erste vermindert kurz sein Tempo und sagt fast verlegen: "Ich? Wo ich hinlaufe? Ja, na ja, so genau weiß ich das nicht. Auf alle Fälle, ich muß schnell weiter!" Schon ist er vorbeigeschossen.
     Klingt unglaubwürdig, diese Geschichte, oder? Aber doch leben unzählige Menschen auf diese Weise ihr Leben. Irgendwie haben sie es immer eilig, haben scheinbar Wichtiges vor. Aber sie wissen nicht, wozu sie leben. Hauptsache, es geht irgendwie vorwärts. Hauptsache, es ist was los. Man kann auf diese Weise ganz gut leben, solange man vorwärts kommt, solange man seinen Spaß hat, solange sich irgendwas tut. Aber wehe, es tut sich mal nichts, wehe, man kommt einmal zur Ruhe! Etwas Schlimmeres kann nicht passieren.
     Ein Junge verbringt einmal ein Wochenende bei den Großeltern. Sie leben sehr abgeschieden auf dem Land. Nach dem Wochenende beschwert er sich bitter bei Mama und Papa: " Oma und Opa hatten die ganze Zeit nichts an!" Die Eltern fragen geschockt zurück: "Wie bitte?" "Ja, die hatten die ganze Zeit nichts an, die hatten keinen Fernseher an, kein Videogerät, keinen Computer, keinen CD - Player. Gar nichts!"
     Ja, furchtbar wenn nichts an ist. Deshalb muß ja immer etwas los sein, Action, Fun. Deshalb werden Spaß und Genuß für Menschen in Deutschland immer wichtiger. "Lebensgenuß" war 1974 nur für 26 Prozent der Deutschen der Lebenssinn. Diese Zahl stieg auf 52 Prozent im Jahr 2001. Wer keinen Sinn in seinem Leben sieht, dem bleibt ja nur das Leben selbst, natürlich möglichst viel von der angenehmen Seite. Wenn man schon nicht weiß, wohin die Reise geht, will man wenigstens erster Klasse fahren.
     So ein Leben mag ja ganz nett sein, aber ist es auch sinnvoll? Lothar Seiwert, ein bekannter Trainer für Manager läßt in seinen Kursen eine bestimmte Übung machen. Die Manager sollen sich ihre eigene Grabrede überlegen. Klingt ganz schön makaber, nicht wahr? Eine radikale aber sehr wirksame Übung. So waren die Manager einmal gezwungen, über ihre Lebensziele nachzudenken und sie zu Papier zu bringen.
     Überlegen wir es uns einmal selber: Was soll am Ende unseres Lebens einmal von uns gesagt werden? Welche Worte sollen dann fallen? Reicht es uns aus, wenn man etwa folgendes von uns sagt: " Er hat in seinem Leben eine Menge Spaß gehabt. Im Sommer verbrachte er seinen Urlaub im sonnigen Süden, im Winter beim Skifahren. Die regelmäßigen Parties am Wochenende machten ihm besonders viel Spaß. Allein zehn Jahre seines Lebens verbrachte er vor dem Fernseher, davon ein Jahr mit Werbesendungen. Er hatte jede Menge Freunde und Freundinnen, zumindest als er jung und fit war. Mit fünfzig konnte er sich zur Ruhe setzen, nachdem er genügend Kohle verdient hatte. Dann konnte er noch mehr seinen Hobbys Reisen und Golfspielen nachgehen. Tja, und dann gab es noch ein paar Krankheiten und weniger schöne Geschichten, aber von denen wollen wir jetzt nicht reden." Würden uns solche Worte wirklich ausreichen? Fehlt da in so einem Leben nicht etwas: Der Sinn und das Ziel?
     Der Mensch ist das einzige Wesen auf diesem Planeten, das über den Sinn seines Lebens nachdenken kann. Er allein kann sich Fragen stellen wie: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wozu lebe ich?
     Statistisch gesehen habt ihr noch eine Menge Zeit vor euch. Aber sie wird immer weniger, von Sekunde zu Sekunde. Von Jahr zu Jahr verrast die Zeit immer schneller. Und Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, sagen oft: "Eigentlich ist mein Leben sehr schnell vergangen!"
     Die deutsche Weinwirtschaft propagierte einmal in einer Anzeigenkampagne den Slogan: "Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken." Und ich möchte hinzufügen: Es ist viel zu kurz, um sich einfach treiben zu lassen, um einfach zu leben, ohne nach dem Warum und Wozu zu fragen.
     Deshalb habe ich eine herzliche Bitte an euch alle, gerade an die, die vielleicht keinen Schimmer haben, wozu sie auf dieser Welt sind: Nimm dich wichtig. Und nimm dieses Leben wichtig. Du weißt doch nicht, wie lange es noch dauert. Und mach dich heute abend auf die Suche nach dem Sinn deines Lebens.
     Vielleicht meinst du ja, den Sinn deines Lebens schon zu kennen. Vielleicht denkst du auch so wie viele junge Menschen, die in einer Umfrage den Sinn ihres Lebens so formulierten: 1. Freunde, auf die man sich verlassen kann. 2. Geborgenheit in der Partnerbeziehung und in einer Familie, 3. Gehobener Lebensstandard, 4. Zufriedenheit im Beruf, 5. Selbstverwirklichung und Erlebnisintensität.
      So übel sind diese Ziele ja gar nicht. Wer möchte z. B. schon ein Leben ohne Freunde und ohne Erfolg im Beruf führen? Aber diese Ziele haben alle eines gemeinsam: Sie sind sehr zerbrechlich und sehr vergänglich. Liebe Menschen kann ich sehr schnell verlieren, ein Unfall oder eine Krankheit kann vieles in meinem Leben wieder kaputt machen, worauf ich vorher gesetzt habe. Und durch den Tod werden schließlich alle Ziele zunichte gemacht.
     Als ein König im Sterben lag, ließ er seinen Hofnarren kommen. Der König sagte: "Freund, ich muß jetzt gehen." "Wohin?" fragte der Narr. "Das weiß ich nicht." "Wann kommt ihr wieder" "Ich komme nicht wieder." "Wer geht mit euch?" "Niemand." "Habt ihr euch auf diese Reise vorbereitet?" "Nein." Da nimmt der Narr seinen Narrenstab, wirft ihn auf das Bett des Königs und sagt: "Majestät, ihr habt mir einmal gesagt, ich solle den Narrenstab dem Menschen geben, der ein größerer Narr ist als ich. Ihr seid es, denn ihr wißt nicht wohin und habt keinen Begleiter." Dann verließ er das Zimmer.
     Mir haben schon manche gesagt. "Woher wollen Sie denn wissen, wohin es hingeht? Es ist doch noch niemand zurückgekommen!" Da antwortete ich immer: "Das stimmt nicht! Einer ist aus dem Jenseits zurückgekommen. Das ist Jesus! Er ist von den Toten auferstanden!" Dieser Jesus ist das Leben! Er gibt dir sinnvolles, ewiges Leben!
      Letzte Unterrichtsstunde im Gymnasium vor den großen Sommerferien. Fünf Minuten vor Schluß stellt ein 14jähriger mir noch eine Frage. Die letzte Frage kurz vor den Ferien lautet meist: "Was kriegen wir denn für Noten?" Aber dieser Junge fragte: "Was ist denn eigentlich der Sinn des Lebens?" Ich antwortete etwa so: "Ich will es versuchen, dir ganz kurz zu erklären." - Ich hatte ja nur ein paar Minuten Zeit! - "Der Sinn deines Leben wird von seinem Ziel bestimmt. Und das Ziel ist nicht das Nichts, nicht der Tod, das Ziel ist Gott und seine Ewigkeit. Wenn du so lebst, daß du einmal zu Gott in seine Ewigkeit kommst, hast du sinnvoll gelebt."
     So sinnvoll leben kann ich nur mit Jesus. Denn wir alle haben ja unzählige Male sinnlos gelebt, Gottes guten Gebote übertreten und unseren Egoismus ausgelebt. Vor allem sind wir doch Liebe schuldig geblieben, ich meine die selbstlose Liebe, die gibt, statt nimmt. Wir waren lieblos unserem Mitmenschen gegenüber und auch gegenüber Gott. Weil wir ihn nicht in den Mittelpunkt unseres Lebens gestellt haben, wie er es verdient hätte. All das, was ich aufgezählt habe, ist Sünde. Und Sünde trennt von Gott, nin alle Ewigkeit von Gott.
     Deshalb muß bei dir etwas geschehen, bei jedem von uns. Da muß einer in dein Leben kommen, der dich verändert. Der dir ewiges Leben gibt. Das ist Jesus.
     

     (Ende 1. Teil Ansprache)
     

Ohne Verbindung mit Gott hat dein Leben keinen Sinn. Da fehlt dir das Entscheidende. Denn er ist der Ursprung des Lebens, die Quelle des Lebens.
     Denken wir an einen Fernseher. Wozu ist er da? Man könnte ein Sitzkissen drauflegen, und sich draufsetzen. Man könnte die Mattscheibe als Spiegel benutzen. Man könnte auch Blumenvasen draufstellen. Wir wissen, wozu er da ist: Um Fernsehprogramme zu empfangen. Dieses Wissen nützt dir allerdings nichts, wenn der Anschluß an das Stromnetz fehlt. Ein Fernseher funktioniert nicht, wenn der Stecker nicht in der Steckdose steckt. Ohne Strom taugt der beste Fernseher tatsächlich nur als Abstellfläche für Blumenvasen. Ebenso erfüllt der Mensch erst dann seinen Sinn, wenn er in Verbindung mit dem Ursprung des Lebens, mit Gott, ist.
     Und dies geschieht durch Jesus. Gott ist aus seiner unsichtbaren Welt herausgetreten, ist Mensch geworden in Jesus Christus. Er hat sich den Bedingungen des Menschseins unterworfen, damit wir Menschen in Verbindung mit ihm treten können und zwar auf gleicher Ebene, von Mensch zu Mensch. Gott ist nicht der Erhabene, Unnahbare, sondern er ist dir in Jesus Christus dein Freund geworden - und auch geblieben. Denn er ist der Lebendige und Auferstandene. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt ist er immer noch bei dir, alle Tage, und will mit dir in Verbindung treten. Er redet mit dir, durch das Wort der Bibel und auch durch das, was du heute von ihm hörst, nicht nur von mir, sondern von ihm!
     Jesus spricht jetzt zu dir: "Habe keine Angst! Deine Sünden sind dir vergeben!" Es ist nicht nur eines der schönsten sondern auch der wichtigsten Worte der Bibel überhaupt. Denn damit fängt das Leben mit Gott erst an, mit der Vergebung.
     Vergebung hebt diese Trennung wieder auf, bringt uns wieder in Verbindung mit Gott, macht uns auch froh und frei. Heute wird dir diese Vergebung angeboten, von Jesus. Da darf alles von dir abfallen, was du, ob bewußt oder unbewußt, an Lasten mit dir herumgeschleppt hast. Dein Leben darf gewissermaßen neu beginnen. Ein großartiges Angebot Gottes! Du brauchst es nur anzunehmen. Brauchst dir die Vergebung nur schenken zu lassen, so wie sich Kinder von ihren Eltern ihre Liebe ganz selbstverständlich schenken lassen. Wenn du gemerkt hast, daß du Vergebung brauchst, dann darfst du sie jetzt nehmen, für dich ganz persönlich.
     Ich muß euch noch einmal von dem 14jährigen Jungen erzählen, dem ich den Sinn des Lebens zu erklären versuchte. Ich sagte ihm wie euch: "Du kannst nur dann zu Gott kommen, wenn dir deine Schuld vergeben ist." Und dann fragte ich ihn: "Bist du mit meiner Antwort zufrieden?" Er antwortete: "Noch nicht ganz. Kann man denn wissen, ob man einmal zu Gott kommt?" "Ja, das kann man wissen", sagte ich. "Wissen Sie es?" "Ja, ich weiß es. Denn ich habe mit vielen anderen Christen die Erfahrung gemacht, daß ich mich auf Gott und sein Wort verlasen kann, absolut verlassen kann. Und im Johannesevangelium steht, daß jeder, der an Jesus glaubt und auch Vergebung erfahren hat, das ewige Leben bekommt. Der kommt zu Gott."
     Durch die Vergebung darfst du ein Kind Gottes sein. Und du hast von nun an einen Begleiter, einen guten Freund, der dich nicht mehr in Stich läßt. Das ist Jesus Christus. Er bleibt immer bei dir, dein ganzes Leben lang, eine ganze Ewigkeit lang.
     Für ihn gibt es keine ausweglosen Lagen. Er sorgt für dich! Er hat deine Zukunft in seiner Hand! Und er läßt dich nicht im Stich, wenn du ihm vertraust! Er kann dir auch die Kraft geben, tiefes Leid zu tragen und nicht daran zu zerbrechen.
     Selbst dann, wenn uns Menschen jedes Wort im Halse stecken bleibt, wenn wir nur noch Phrasen und leere Vertröstungen übrig haben, wenn es ans Sterben geht, läßt dich Jesus nicht allein. Er gibt dir ewiges Leben, auch über den Tod hinaus. Denn er, Jesus Christus, ist die Auferstehung und das Leben. Und jeder, der an ihn glaubt, hat das ewige Leben. Auch du! Seine Liebe bringt Leben, ewiges Leben in dein Leben hinein. Die Liebe Jesu macht dein Leben sinnvoll, auch wenn es dir noch so sinnlos vorkommt.
     Stell dir vor, du wärest durch einen Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Was für einen Sinn hätte dann noch dein Leben? Der jungen, attraktiven, lebenslustigen und sportlichen Joni Eareckson ist dieses Furchtbare passiert. Durch einen Badeunfall ist sie vom Hals abwärts total gelähmt.
     Es war ein anscheinend sinnloses Leben, das Joni nach ihrer Wirbelsäulenverletzung führen mußte, mit 17 Jahren. Sie war total verzweifelt und bat ihre Freundin, ihr Tabletten zu geben, damit sie sterben konnte. Als ihre Freundin dies abschlug, dachte sie. Nicht einmal sterben kann ich. Das Leben wurde für Joni eine richtige Hölle. Schmerzen, Wut und Bitterkeit beherrschten sie. Das ging drei Jahre lang so.
     Dann begann eines Nachts bei Joni eine dramatische Wende. Ihre beste Freundin Cindy saß an ihrem Bett und suchte verzweifelt nach etwas, was ihr Mut zusprechen konnte. Dann sprudelte es plötzlich aus ihr heraus. Es war wie eine Eingebung: "Joni, Jesus weiß, wie dir zumute ist. Du bist nicht die einzige Gelähmte! Er war auch gelähmt."
     Joni starrte sie an. "Cindy, wovon redest du?" "Es stimmt Joni. Er war ans Kreuz genagelt. Wie sehr muß er sich danach gesehnt haben, sich bewegen zu können, sein Gewicht zu verlagern. Doch er konnte sich nicht bewegen. Joni, er weiß, wie dir zumute ist."
     Cindys Worte gingen Joni zu Herzen. Sie hatte das zuvor noch nie bedacht. Jesus, der Sohn Gottes, kannte die Hilflosigkeit, die sie durchlitt. Gott kam ihr in diesem Augenblick so unglaublich nahe. Ihr Leben bekam neuen Sinn, durch die Liebe Jesu, die sie spürte. Sie lernte wieder lachen und wurde eine besonders fröhliche Christin. Mit dem Mund lernte sie wunderschöne Bilder zu malen. Unzähligen Menschen konnte sie durch ihre Vorträge, ihre Bücher und den Film über ihr Leben helfen.
     Am Ende ihrer selbstverfaßten Lebensgeschichte schreibt sie: "Jesus lebt, und seine Kraft steht dir zur Verfügung... Er beweist sich täglich in meinem Leben, und was könnte er nicht alles in deinem Leben bewirken! Gehörst du zur Familie Gottes? Ich hoffe sehr, daß wir uns eines Tages in seiner Herrlichkeit begegnen werden!"
     Genau das wünsche ich dir auch. Ich wünsche dir, daß du die Liebe Jesu in deinem Leben erfährst. Wenn du willst, kann ich dir dabei helfen. Ich bleibe nach Ende dieser Veranstaltung noch hier vorne. Dann kannst du zu mir kommen und mich ansprechen. Du kannst mir sagen, wo du Hilfe brauchst. Und ich kann dir sagen, wo du Hilfe bekommst, letzten Endes nur bei Jesus.