Ansprache beim Jugendevent am 25.09.98: "Go(o)d News"
(von Pfarrer Dieter Opitz)

Die Eva in unserm Theaterstück geht von zu Hause weg, kommt in die Großstadt und versumpft dort, aber dann findet sie wieder zurück zu ihrem Vater. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist uns wohl allen mehr oder weniger bekannt. Jetzt haben wir auch noch die Geschichte von der verlorenen Tochter kennengelernt. Ob Sohn, ob Tochter, das ist völlig egal. Was unsere Beziehung zu Gott angeht, da herrscht völlige Gleichberechtigung, da sind wir alle gleich.
    (Lies in Deiner Bibel Lukas 15,11-24).
    Da erzählt Jesus also von einem jungen Mann, bei dem zunächst alles schief läuft. Er will was erleben, so wie die Eva im Theaterstück. Er will dasLeben leben. Aber zum Schluß endet er als Schweinehirte. Die Schweine hatten's besser wie er. Die durften sich den Bauch vollschlagen. Er nicht. Und er kriegt Heimweh nach seinem Vater. Der verlorene Sohn kehrt um, nicht zähneknirschend, nicht aus Angst vor Strafe, auch nicht, weil's ihm so mies geht. Sondern er weiß: Zu Hause, bei meinem Vater, da hätte ich es gut.
    Zu Gott umkehren, das ist etwas Wunderbares und Großartiges, nichts Schreckliches und Kümmerliches. Gott lädt uns zu sich zur großen Freude und nicht zur großen Traurigkeit ein. Keiner wird es bereuen, weil er nun ein Leben mit Gott und seinem Sohn Jesus Christus führt. Sondern er wird eher sagen: "Wie dumm war ich, daß ich nicht schon viel eher zu Gott umgekehrt bin. Denn jetzt hat mein eigentliches Leben erst angefangen. Ich habe ja gar nicht gewußt, wie gut es mir bei Jesus geht." Gott ist nicht der große Spaßverderber, der dir nichts im Leben gönnt. So stellen sich manche das Christentum vor. Aber das ist nicht wahr. Als ich das erste Mal begriffen habe, daß Gott mir meine Schuld vergeben hat, da habe ich mich gefreut, wie nie vorher in meinem Leben. Und ich weiß von vielen, daß es ihnen ähnlich ging. Ein Leben mit Gott zu führen, heißt sicher auch, sich nach seinen Vorgaben zu richten. Aber diese Regeln sind ja nicht dazu da, daß sie meine Lebensfreude einengen, sondern daß sie sie erst ermöglichen.
    Überall im Leben gibt es diese Regeln. Beim Sport zum Beispiel. Ein Fußballspiel, wo jeder tut, was ihm gefällt, wäre ein Alptraum. Da hätten die Sanitäter viel zu tun. Nur wenn man sich an die Regeln hält, macht es erst richtig Spaß. Und wer das nicht tun will, fliegt vom Platz.
    Und so ist es auch bei einem Leben mit Gott. Mit seinen Regeln zu leben, bereitet es mehr Freude. Und wer ohne die Regeln Gottes leben will, der muß dann schon auch die Konsequenzen tragen. Früher oder später landet er bei den Schweinen.
    Wenn ein Mensch bei den Schweinen landet, dann kann das ganz verschieden aussehen: z.B. mit einer Heroinnadel in den Venen, mit einer Überdosis Schlaftabletten im Magen, oder einsam und verlassen wie die verlorene Tochter auf einer Parkbank, von sogenannten Freunden im Stich gelassen, ausgenutzt und weggeworfen wie eine leere Coladose. Gerade junge Menschen kann eine abgrundtiefe Einsamkeit und Lebensangst überfallen.
    Sie sind mit ihrem Leben nicht zufrieden. Zu Hause Streß mit den Eltern, und in der Schule, ja, da wartet man aufs Wochenende. Schule ist ja wie Robinson: Warten auf Freitag.
    Ja, und dann kommt das Wochenende, und das Leben bleibt trotzdem öde und beschissen. Du sitzt z.B. im Cineplaza, ziehst dir einen Film und deine Popcorn hinein, bist unter lauter Menschen, auch der Film mag ganz okay sein, und fühlst dich trotzdem allein. Du kannst dich in der Disco oder auf dem Volksfest amüsieren, du bist nicht allein, aber doch allein, weil du weißt, daß die anderen um dich herum dich letztlich nicht kennen und verstehen. Und zu Hause dröhnst du dich mit Musik aus dem Walkman oder der Stereoanlage zu. Du denkst: So einer wie Mick Jagger versteht mich, wenn er schreit: "I can't get no satisfaction!" Aber das Problem deiner Einsamkeit löst du auch nicht mit Musik, ob mit Rock, Pop, Rap, Heavy Metal, Wagner oder Beethoven.
    Wenn ein Mensch bei den Schweinen landet, dann hat das eine ganz bestimmte Ursache: Die Beziehung zu Gott ist kaputt. Er ist ganz weit weg von Gott. Viele sagen zwar: Ich glaube auch an Gott! Aber sie haben keine Beziehung zu Gott. Persönliche Frage: Wie sieht es denn mit deinem Verhältnis zu Gott aus? Du glaubst an ihn, schön und gut, aber welche Rolle spielt er denn in deinem Leben? Bist du an seinem Willen interessiert? Und willst du dich nach seinen Willen richten? Oder denkst du: Schön und gut, daß es dich gibt, lieber Gott, aber leben will ich schon so, wie es mir gefällt. Wenn ich dich brauche, wende ich schon an dich, aber das wird hoffentlich nicht so oft der Fall sein.
    Man kann so leben, oft sogar ganz gut, oft sogar sehr lange. Aber das Entscheidende fehlt eben in deinem Leben: Gott. Du kannst lauter gute Dinge besitzen und darauf stolz sein. Es ist ja nichts Schlechtes, wenn du ein hübsches Gesicht, einen schönen Körper, flotte Klamotten, gutes Essen, Geld, Köpfchen hast. Aber das alles hat dir Gott gegeben. Wenn du diese Dinge nur für dich, ohne Verantwortung gegenüber Gott gebrauchst, wird es verkehrt.
    Ist ja schön, wenn du genug Kleingeld hast. Du kannst dir dann ja manches gönnen. Aber wenn du es nur für dich verbrauchst, dann wirst du ein Geizhals und ein unbarmherziger Hund.
    Vielleicht hast du ein bißchen mehr Grips wie die anderen. Aber wenn du deinen Verstand nur gebrauchst, um damit anzugeben, deinen Vorteil zu suchen, dann wirst du ein arroganter Schnösel und ein eiskalter Typ.
    Gott hat dir einen Geschlechtstrieb gegeben und dazu auch eine Gebrauchsanweisung. Die lautet: Sex ist für die Ehe da. Du kannst dich darüber hinwegsetzen. Aber dann wundere dich nicht, wenn du andere Menschen ruinierst und dich auch. Sex ist keine Funsportart mit bestimmten Risiken. Und wenn ich mich gegen diese Risiken absichere, dann kann mir nichts passieren. Sex ohne Treue ist nicht im Sinne des Erfinders, tut dir auch nicht gut.
    Du hast einen Draht fürs Übersinnliche? Aber wenn du dann nicht den Kontakt mit Gott suchst, sondern mit den Geistern und den Verstorbenen, dich mit Gläserrrücken, Kartenlegen, Pendeln oder anderem okkulten Zeug einläßt, dann befindest du dich buchstäblich in Teufels Küche. Das Ergebnis ist oft tiefe Angst.
    Ohne Gott geht dein Leben schief. Die Gaben, die er dir geschenkt hat, verbrauchen sich irgendwann einmal. Du lebst dann von der Substanz. Irgendwann landest du bei den Schweinen. Und wie das aussehen kann, das habe ich ja schon geschildert. Nach außen hin mag es zwar oft nicht so aussehen, aber im Inneren eines Menschen kann's aussehen wie in einem Schweinestall.
    Gott dagegen sieht hinter die Masken, die wir uns oft aufsetzen, um uns dahinter zu verstecken, damit die anderen nicht sehen, wie dreckig es uns eigentlich geht. Er sieht hinter einem netten Mädchengesicht jemand, der sich nach wahrer Liebe sehnt. Wie cool und abgeklärt kannst du dich als Junge geben. Aber Gott sieht dahinter jemand, der nach Halt und Geborgenheit sucht.
    Vor Gott braucht ihr kein Theater zu machen. Ihr könnt mit offenen Karten spielen. Ihr könnt zu ihm kommen, wie ihr seid. Mit allem Pfusch, mit allem Mist, den ihr gebaut habt. Mit aller Schuld.
    Gott will einen ehrlichen Menschen. Und er schmeißt euch nicht raus, wenn ihr zu ihm kommt, wie ihr seid. Ganz im Gegenteil, er freut sich auf euch. Hast du schon einmal Liebeskummer gehabt, dieses nagende Gefühl an deiner Seele, die Sehnsucht nach einem, der nichts von dir wissen will? So geht es Gott mit dir! Er sehnt sich nach dir. Und er ist froh, wenn du endlich zu ihm kommst. Ist Gott so auf uns angewiesen? Nein, er braucht uns nicht. Aber er weiß: wir brauchen ihn, um glücklich zu werden!
    Es gibt jemand, der hat dich lieb, wer du auch bist, in welcher Lage du auch bist, was du auch getan hast. Er steht unbeirrbar auf deiner Seite. Er hat dich so lieb, daß er sogar seinen Sohn Jesus Christus für dich in diese Welt hat kommen und sterben lassen. Gott wartet immer auf dich, daß du endlich mit deiner Schuld, mit dem Mist und Dreck deines Lebens zu ihm hingehst, ihm das alles sagst und um Vergebung bittest. Dazu gehört sicher Mut. Viel bequemer ist es, zu sagen: "Ach, so schlimm ist das nicht mit mir! Ich werde schon einmal gerade stehen können vor Gott!" Gerade das wirst du nicht tun können, keiner unter uns, auch ich nicht. Wer sich nicht auf den Weg macht zu Gott, der ist und bleibt fern von ihm.
    Wenn du zu Gott umkehrst, dann kehrst du zu einer großen Liebe um. Du brauchst das nicht zähneknirschend zu tun, sondern in der Gewißheit, daß du dann bei dem ankommst, zu dem du eigentlich gehörst, zu Gott, deinem Schöpfer. Er sagt zu dir dann, wie wir es in dem Stück gehört haben: "Komm her, ich hab dich lieb!" Das ist doch schön: Du darfst noch einmal neu anfangen und ein unverbrauchtes, reines Leben führen. Da wirst du nicht traurig und das Leben nicht eng, sondern da kann es sogar passieren, daß dein Herz vor Freude fast zerspringt und in dein Leben eine große Freiheit hineinkommt. Das heißt Christsein: Getröstet werden, wieder lachen lernen und einen Weg bekommen, der sich lohnt.
    Da kam ein junger Mann zu einem Pfarrer. Er hat vorher im Gefängnis gesessen. Jetzt fragt er: "Ist das wahr, daß der sich da für mich hat annageln lassen?" "Ja, das ist wahr!" Und dann hat er ausgepackt. Den ganzen Schrott seines Lebens erzählt. Er hat begriffen: Wenn Jesus dazu ist, um mir meine Schuld abzunehmen, dann soll er sie haben, und zwar jetzt. Sternstunde eines Lebens.
    Zu Gott kommen, das ist sehr einfach. Das kann auch sehr schnell gehen. Du brauchst nur zu sagen, auch jetzt, ohne daß es einer merkt: "Hier bin ich. Nimm mich. Mein bisheriges Leben ohne dich tut mir leid, auch alles, was ich falsch gemacht habe. Ich kann dir auch in Zukunft nichts versprechen. Mit mir machst du keinen guten Fang. Aber nimm mich trotzdem an als dein Kind. Vergib mir alles. Und krieg' du mein Leben in den Griff. Verändere du es und verleihe ihm Format."
    Dann wird es sicher keinen Knall tun und du bist auf einmal ein perfekter Mensch. Es wird nicht so sein, wie im Märchen vom Froschkönig, in dem ein Frosch sich in einem Augenblick in einen Prinzen verwandelt.
    Aber dein Leben hat dann einen neuen Anfang getan. Es ist der erste Schritt in die richtige Richtung gemacht. Schritt für Schritt wirst du verändert, wird Gott dein Leben in den Griff bekommen.