Ansprache beim Jugendevent am 15.10.99: "Leben auf der Überholspur"
(von Pfarrer Dieter Opitz)


Was wäre denn, wenn Jesus jetzt durch diese Tür hereinkommen würde? Wie würden wir reagieren? Und was würde er zu uns sagen?
     Klingt phantastisch, sich das vorzustellen. Ist es aber nicht. Denn ich bin davon überzeugt: Er ist schon längst da. Denn er hat es selbst gesagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer Mitte." Er ist da. Auch wenn wir ihn nicht sehen! Und wenn du diese Tatsache glaubst, spürst auch du seine Nähe. So haben es viele vor dir erfahren, auch hier in diesem Saal, auch viele Menschen in der Bibel, die Jesus begegneten.
     Und das waren auch keine anderen Typen als die, die wir eben auf der Bühne gesehen haben. Da gab's auch schon Intellektuelle und kritische Zweifler, grüblerische und schwermütige Typen. Wie z.B. den Thomas. Aber auch dieser Thomas hat erfahren dürfen, daß Jesus da ist und daß er lebt. Er glaubte nicht, daß Jesus von den Toten auferstanden war. Seine Freunde hatten ihm zwar erzählt: "Wir haben ihn gesehen! Jesus ist auferstanden!" Aber dieser Thomas wollte handfeste Beweise. "Das glaube ich erst, wenn ich ihn gesehen und angefaßt habe!" sagt er.
Acht Tage später sehen die Jünger Jesus noch einmal. Diesmal ist Thomas mit dabei. Und der Auferstandene redet mit ihm. Ganz freundlich und lieb. All seine Worte haben folgenden Sinn: "Weil ich dich lieb habe, komme ich. Ich könnte dich aufgeben, aber ich gebe dich nicht auf." Weil Thomas diese Liebe spürte, hörte er auf zu zweifeln und glaubte.
     "Kunststück!" mag jetzt einer sagen. "Der Thomas hatte leicht glauben. Er sah ja etwas. Wenn ich den auferstandenen Jesus sehen könnte, würde ich auch glauben." Wir können Jesus nicht mehr sehen, klar. Aber das ist nicht das Entscheidende dafür, daß einer glauben kann. Das Entscheidende ist, daß er mir durch seine Liebe heute noch begegnet. Sie kommt mir in seinen Worten entgegen, auch in den Worten, die wir heute abend von ihm hören. Er gibt dich nicht auf, so wie er auch den Thomas nicht aufgegeben hat. Er spricht auch zu dir, wie damals zum Thomas: "Zweifle nicht länger, sondern glaube!" Wage es zu glauben!
     Es gibt Dinge, die erfährt man erst, wenn man sich darauf einläßt. Ob der Apfel in deiner Hand sauer oder süß ist, wirst du erst erfahren, wenn du hineinbeißt. Ob dich das Eis auf dem See trägt, merkst du erst, wenn du die ersten Schritte tust. Daß andere darauf Schlittschuh fahren, kann für dich eine Ermutigung sein, es auch zu probieren. Aber erst, wenn du selbst auf das Eis trittst, merkst du, wie es dich trägt. So ist es mit Jesus. Keiner wird Jesus finden, der ihn nicht beim Wort nimmt und anfängt, seinen Willen zu tun. Wer das aber wagt, wird merken, daß er nicht ins Leere hineingeht, sondern daß Jesus wirklich da ist. Zum Glauben ist nur eine einzige Voraussetzung nötig: daß er unvoreingenommen zuhört, was ihm von Jesus gesagt wird.
     Wenn du das heute abend tust, dann kannst du auch glauben. Dann wirst du auch erfahren, daß es wirklich stimmt, was die Christen von Jesus sagen: daß er Schuld vergibt, daß er hilft, mein Leben verändert, mir Kraft und Zuversicht gibt.
     So habe ich es selbst erlebt. Mit 15 Jahren habe ich zum ersten Mal die vergebende Liebe Jesu erfahren. Auf einer christlichen Freizeit sagte mir einer knallhart die Wahrheit ins Gesicht: "Und du denkst ja auch bloß an dich!" Er entschuldigte sich nachher bei mir, aber ich wußte: Er hat recht! Ich wußte: Ich brauchte Vergebung. Und Gott schenkte sie mir. Ich konnte die Worte aus einem Psalm glauben: "Der dir alle deine Sünden vergibt!" Mein Leben hat sich zweifellos seitdem verändert. Allein die Tatsache, daß ich hier oben stehe, ist ein Beweis dafür, ich, der ich ein Grübler und Zweifler war, ein Thomastyp, einer, der sich selbst nichts zutraute, der aber jetzt mit der ganzen Macht Jesu rechnet.
     Vergebung, Kraft und Zuversicht schien einer nicht zu brauchen, einer von dem Jesus erzählte. Ein typischer Erfolgstyp. Immer auf der Überholspur. Er war Bauer und stinkreich. "Mir fehlt nichts!" dachte er, "Ich habe alles, was ich zum Leben brauche." Er fühlte sich sauwohl in seiner Haut. Doch Gott sagte zu ihm: "Du Narr! Noch in dieser Nacht wirst du sterben. Was bleibt dir dann von deinem Reichtum?"
     Keiner kann sich das Leben kaufen. Der tollste Porsche, den einer hat oder nach dem er sich sehnt, landet auch einmal auf dem Schrottplatz. Das schönste Outfit kommt einmal in die Altkleidersammlung. Das ganze Geld, das einer hat, nützt einem spätestens dann nichts mehr, wenn er stirbt. Und dann? Ja, dann wird einer, der so gelebt hat, merken, daß er das eigentliche Leben verpaßt hat. Zu spät!
     Da kann einer mit Vollgas hinter dem Leben her sein. Immer auf der Überholspur. So wie die PS-starken Schlitten, die auf der Autobahn nur links fahren. Alles kommt drauf an, besser, schneller als die anderen zu sein. Aber das ist noch nicht das richtige Leben. Da fehlt etwas. Da fehlt das Entscheidende. Das ist Gott selber.
     Ja, und dann gibt's noch die dritten Typen. Die Spaßtypen. Immer auf der Suche nach dem neuesten Kick.
     Jesus ist einmal einem solchen Menschen begegnet, einer Frau, an einem Brunnen. Deren Lebensdevise lautete: "Man muß möglichst viel Spaß haben!" Diese Dame führte einen recht lockeren Lebenswandel. Sie hatte fünf Lover gehabt und sie lebte nun mit einem Typen zusammen, mit dem sie nicht verheiratet war. Heute ist sowieso solch ein Lebensstil nichts Besonderes mehr. Fünf Beziehungen, Zusammenleben mit einem, der nicht mein Mann oder meine Frau ist, ist nichts Außergewöhnliches. Die Schauspielerin Veronica Verres sagte kürzlich: "Die Männer müssen sich darüber im klaren sein, daß sie heute keine Frau ohne Vergangenheit bekommen." Also ich für meine Person fände es schade, wenn es wirklich so wäre!
     Wie geht nun Jesus mit dieser Frau, die er am Brunnen traf, um? Er verachtet sie nicht, macht ihr keine Vorwürfe. Jesus ist nicht wie ein Moralapostel, dem es darum geht, daß alle anständig leben, daß sie schön brav in die Kirche gehen, daß sie nicht klauen, nicht rauchen, saufen und keinen Sex vor der Ehe haben. Und der sich dann aufregt, wenn sie es nicht tun.
     Natürlich will er auch nicht, daß sie sich nicht daran halten. Gott hat bestimmte Regeln für das Zusammenleben aufgestellt: daß wir nicht klauen, den anderen nicht beleidigen oder anlügen, mit dem Sex bis zur Ehe warten, uns nicht mit Spiritismus und Okkultismus einlassen, um nur einiges zu nennen.
     Aber das nicht das Entscheidende in der Beziehung zu Jesus. Das Entscheidende ist nicht die Moral. Es geht Jesus zunächst nicht um ein anderes Verhalten, sondern um einen anderen Menschen.
     Deshalb macht Jesus die Frau am Brunnen zunächst einmal neugierig auf eine neue Art von Leben, von Menschsein. Er sagt zu ihr: "Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen." Auf diesen Satz springt sie an. Das spricht ihre Sehnsucht nach erfüllten Leben an. Denn das, was sie Leben nannte, war hohl und leer. Und das sagt ihr Jesus dann auch noch auf den Kopf zu.
     Im Leben geht es um viel mehr als nur darum, möglichst viel Fun und Spaß zu haben. Wenn Fun und Spaß alles wären, was wir zum Leben brauchen, dann könnte man die Welt schnell verbessern. Man müßte nur überall Lautsprecher anbringen mit angesagter Musik, und die Leute würden ganz locker über die Straßen tanzen und im HipHop-Schritt ihre Einkäufe bei Aldi tätigen.
     Aber daß es nicht so einfach ist, weiß jeder von uns. Es gibt viel zu viel Kaputtes in unserer Welt, als daß wir mit einer selbst- gebastelten Spaß- und Wohlfühl-Philosophie die Probleme in den Griff kriegen könnten.
     Im Grunde genommen wissen oder ahnen zumindest alle, die ein Leben nach dem Lustprinzip führen: Wir beschäftigen uns mit Nichtigkeiten. Diese ganzen O's: Auto, Libido, Video, Vino, Disco, Rio. Es ist doch kümmerlich, wenn sich unser Leben darauf beschränkt! So ein Leben will uns Jesus nicht zumuten. Sondern er will uns ein erfülltes Leben geben, erfüllt mit seiner Liebe. Wenn du seine Liebe kennengelernt hast, dann weißt du: Das ist es, wonach ich mich eigentlich mein ganzes Leben lang gesehnt aber doch nie gefunden habe. Jetzt ist mein Durst nach Leben gestillt.
     Jesus möchte dir eine tiefe Freude schenken, die du noch gar nicht kennst. Diese Freude kommt in dein Leben durch die Vergebung. Ich kenne Menschen, die gesagt haben, sie haben erst dann befreit lachen können, als sie der vergebenden Liebe Jesu begegnet sind. Ich bin sogar davon überzeugt, daß niemand sein Leben besser genießen kann, als ein Christ. Denn er muß nicht diesen Freuden hinterherhetzen, weil er ja schon eine ganz andere Freude kennengelernt hat. Er muß nicht alles mitnehmen, solange die Zähne, die Leber und die Galle mitmachen. Ihm sitzt ja nicht die Angst vor dem Tod im Nacken, die einen dazu treibt, das Leben auf Teufel komm raus zu genießen. Ihn treibt vielmehr die Freude aufs ewige Leben. Deshalb hat er keine Angst, in diesem Leben zu kurz zu kommen. Und er will sich nur an dem erfreuen, was seinem Körper, seiner Seele und seinem Geist wirklich gut tut.
     Jesus sagte einmal: "Ich aber bringe allen, die zu mir gehören, das Leben - und dies im Überfluß." Mit anderen Worten: Jesus kann dir echtes, erfülltes Leben geben. Das ist nicht nur ein frommer Bibelspruch - das ist die persönliche Erfahrung vieler Christen seit 2000 Jahren.
     Rune Bratseth, ehemaliger Fußballprofi, jetzt Fußballmanager bei dem norwegischen Topclub Rosenberg Trondheim hat diese Erfahrung so formuliert: "Ein Leben mit Jesus ist immer ein Erlebnis." Der Weltstar Whitney Houston bekennt öffentlich: "Jesus ist nicht Religion. Jesus ist wahres Leben!"
     Leben, überfließendes Leben, möchte Jesus jedem von uns schenken. Jedem, der zu ihm gehört. Jedem, der ihm sein Leben anvertraut.
     Damit mich keiner falsch versteht: In einem Leben mit Jesus sind nicht alle Probleme wie weggezaubert. Da stehen nicht alle Ampeln immer auf grün. Natürlich gibt es auch im Alltag der Menschen, die zu Jesus gehören, Probleme und Sorgen, Ärger und Ängste.
     Aber: Jesusleute müssen damit nicht mehr allein fertig werden. Denn Jesus lebt und ist als der Auferstandene erfahrbar. Erfahrbar im Alltag der Nachfolge. Erfahrbar als Begleiter und Helfer im Leben.
     Das ist der Unterschied! Wer zu Jesus gehört, der hat den besten Freund, den einer im Leben haben kann. Wer sich Jesus anvertraut, wird von ihm auch beschützt und versorgt. In jeder Lebenssituation. Selbst in der größten Not ist der Auferstandene seinen Leuten nahe und gibt ihnen Kraft. Das ist ein Glück, das ich nirgends kaufen kann. Das gibt mir eine Gelassenheit, die ich sonst nirgends finde.
     Wenn ich mich Jesus anvertraue, brauche ich auch keine Angst mehr vor meiner Schwachheit, vor meinem Versagen zu haben. Denn Jesus nimmt mich auch dann noch an die Hand, wenn ich schuldig werde. Dafür ist er ans Kreuz gegangen.
     Ja, nicht einmal das Sterben muß mich noch schrecken. Denn ein Leben mit Jesus ist nicht eingeengt zwischen Geburtstag und Todesdatum. Wer Jesus vertraut, hat das ewige Leben. Und ein kleines Stück davon in dieser Welt.
     Das alles ist gemeint, wenn Jesus sagt: "Ich aber bringe allen, die zu mir gehören, das Leben - und dies im Überfluß."
     Ich kann es nur von mir so sagen und spreche sicher im Namen vieler hier in diesem Saal: Es ist mir eine Lust, ein Christ zu sein und keine Qual. Jesus hat mich so oft mit seiner Liebe überschüttet und überrascht, daß ich ihm mein Leben lang dafür danken und ihm dienen möchte.