Ansprache beim Jugendevent am 26.09.98: "Go(o)d News"
(von Pfarrer Dieter Opitz)


An was glaubst du? Vielleicht sagst du: An gar nichts. Oder: Ich weiß gar nicht recht, an was. Aber das stimmt nicht. Jeder glaubt etwas. Jeder hat eine Mitte in seinem Leben, seinen Gott, oder seinen Götzen. Auch du.
    In einer Bahnhofsbuchhandlung entdeckte ich ein Buch über Fußball. Titel: "Ist Gott rund?" Nichts gegen Fußball. Aber er ist zur Ersatzreligion von vielen Menschen in unserem Land geworden. Es wird schon noch geglaubt, halt nicht mehr an Jesus sondern an meinen Fußballverein, FCN, FCB, FCK, an das Horoskop, an das Gute im Menschen, an die Familie oder an die Macht Satans. Kürzlich sah ich im Rotmaincenter einen Jungen. Auf seinem T-Shirt stand: "Satan inside".
    Auch unsere Zeit hat ihre Götzen, denen man mit Haut und Haaren verfallen ist. Da glaubt man nicht mehr an die heilige Dreieinigkeit Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, sondern an die unheilige Dreieinigkeit Mammon, Ego und Sex. Der Gott Mammon ist das Geld. Für ein paar braune Riesen würden viele Menschen moralische Skrupel über Bord werfen. "Ich glaube an meinen Geldbeutel. An einen vollen, wohlgemerkt." Der Götze Ego ist das Ich. Nur das zählt, was mir gefällt, was mir Spaß macht. Die Interessen anderer sind mir gleichgültig. "Ich glaube an mich." Die dritte im Bunde dieser unheiligen Dreieinigkeit nennt man "Liebe". Aber gemeint ist der Götze "Sex". Für ihn werden Familien geopfert. Ein junges Mädchen klagte: "Mein Vater hat unsere Familie verlassen. Hat sich eine jüngere angelacht. Und das alles nur wegen des bißchen Sex." Jegliches Schamgefühl wird geopfert. Bis zum Erbrechen Sex schon ab Mittag bei den Privaten. Die Gesundheit wird geopfert. Die Treue wird geopfert. Die wahre Liebe, die warten kann, wird geopfert.
    Religion ist dem Durchschnittsjugendlichen der 90er Jahre ziemlich wurst. Eine typische Meinung steht in der Studie "Jugend und Religion": "Die einen sagen Buddha, die anderen sagen Manitu, die dritten sagen Gott, und die vierten sagen Trallala." D.h. über Gott kann man so denken, wie man will, und überhaupt ist es völlig wurst, was man glaubt. Und außerdem: Das was der christliche Glaube wirklich sagt, wissen viele Menschen heute gar nicht mehr.
    "Es tut mir leid", sagt der Pfarrer zum Vater, "aber ich kann Ihren Sohn beim besten Willen nicht konfirmieren." "Wie bitte!?" entrüstet sich der Vater. Der Pastor zuckt mit den Schultern: "Der Junge weiß rein gar nichts. Nicht einmal, wie Jesus Christus gestorben ist." - "Wie, der ist gestorben?" sagt der Vater ehrlich überrascht. "Also das dürfen Sie meinem Jungen wirklich nicht anrechnen. Wir haben die Tageszeitung abbestellt und eine Todesanzeige haben wir auch nicht bekommen."
    Und dann hört man auch noch in der Kirche: "Dieser Absolutheitsanspruch des Christentums, daß nur Jesus allein recht haben soll, und er allein rettet - der muß aufhören!" Viele, auch kirchliche Leute, denken heute: Ist doch egal, was ich glaube. Wir glauben doch alle an den gleichen Gott.
    Es wird auch heute noch geglaubt. Denn ohne Glaube an irgend etwas kann kein Mensch leben. Auch viele, die aus der Kirche ausgetreten sind, glauben noch an Gott oder an ein "höheres Wesen". Nur, es ist ein selbstgebastelter Glaube, einer, der nach ein paar Jahren wieder anders aussehen kann.
    Und vielleicht sitzen viele unter uns, die sich auch fragen: Warum soll denn gerade der christliche Glaube recht haben, allein recht haben? Gibt es nicht viele Gründe, die dagegen sprechen? Christen, auch Pfarrer haben oft jämmerlich versagt. Viele sagen: "Von der Kirche habe ich die Nase voll. Ich habe schon viel zu viel schlechte Erfahrungen mit ihr gemacht!"
    Wir müssen unterscheiden zwischen der Sache, dem Christentum, und den Personen, die diese Sache vertreten, den Christen. Wenn Christen das Christentum schlecht vertreten, dann muß das nicht unbedingt gegen die Sache sprechen! Fußballspielen z.B. muß ja nichts Schlechtes sein, auch wenn es Viele gibt, die miserabel spielen. Das liegt ja dann an den Spielern und nicht am Spiel selbst.
    Nun haben aber viele Menschen gerade mit den christlichen Inhalten Schwierigkeiten. Jeden Sonntag im Gottesdienst sprechen wir im Glaubensbekenntnis von der Schöpfung, der Jungfrauengeburt, der Auferstehung und der Wiederkunft Jesu Christi, vom Heiligen Geist und vom ewigen Leben. Viele fragen sich: Kann man denn als moderner Mensch all das noch glauben?
    Ich versteh das. So mit 16 hatte ich eine Phase in meinem Leben, wo ich alles anzweifelte, auch den christlichen Glauben. Mir ging es so wie der Eva gestern zu Beginn des Theaterstücks. Da hat es in mir diskutiert. Ich brauchte keinen Diskussionspartner. Die verschiedenen Gedanken kamen schon von selber. Ein Zweifel nach dem anderen kam. Ich versuchte ihn zu wiederlegen. Dann kam schon der nächste Zweifel. Es war fast zum Verrücktwerden. Denn ich bekam diese Gedanken nicht mehr los.
    Auch Kinder können schon zweifeln, wie das Fritzla. Er hat seine Schwierigkeiten mit dem Glauben. So sagt er zu seiner Religionslehrerin: "Letzte Stunde haben Sie uns erzählt, daß Gott überall hin sehen kann. Wetten, daß Sie unrecht haben?" Die Lehrerin geht amüsiert auf das Angebot ein und das Fritzla fragt: "Kann Gott durch Beton sehen?" - "Aber natürlich." Das Fritzla: "Kann er auch in unser Wohnzimmer schauen?" - "Selbstverständlich." Das Fritzla: "Kann er auch in unseren Keller sehen?" - "Sicher." - Das Fritzla triumphiert: "Verloren! Wir haben nämlich gar keinen Keller!"
    Ja, schon Kinder können zweifeln wie die Erwachsenen. Aber andererseits kann man als Erwachsener naturwissenschaftlich sehr gebildet und sehr klug sein und doch wie ein Kind glauben. Denn Glauben ist keine Gehirnakrobatik sondern eine Sache des Vertrauens. Ich soll ja nicht bestimmte, seltsame Dinge glauben, die meinem Verstand überhaupt nicht einleuchten. Sondern ich darf einer Person vertrauen. Und diese Person ist Jesus Christus.
    Nur durch Jesus können wir Gott kennenlernen, wie er wirklich ist. Er selbst hat diesen Anspruch aufgestellt. Er selbst hat von sich gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Entweder stelle ich mich diesem Anspruch oder ich weiche ihm aus. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.
    Natürlich ist das eine ungeheuerliche Aussage, die Jesus hier macht. Da zerbrechen sich Menschen jahrtausendelang den Kopf über die Frage, ob und wer und wie Gott ist. Da spuckt ein amerikanischer Milliardär Jahr für Jahr 15 Millionen Dollar aus. Diese Riesensumme ist bestimmt für wissenschaftliche Arbeiten über Gott. Eine Million spendiert er für eine Art Nobelpreis für religiöse Spitzenleistungen. Stolz verkündet dieser Milliardär: "In ein paar Jahren wissen wir 100mal mehr über Gott wie heute." Und da behauptet der Handwerkersohn Jesus aus Palästina: "Alles vergebliche Liebesmühe! Du kannst nicht mehr über Gott wissen, als was du über mich weißt. Wer mich sieht, sieht Gott!" Noch anstößiger wird diese Behauptung, wenn wir an sein Ende denken. Man nagelte ihn an ein Kreuz, wo er unter furchtbaren Qualen und Schmerzen starb. Unvorstellbar zunächst: Der Sohn Gottes endet wie ein Verbrecher. Das kann doch nicht sein! Was für ein furchtbares Ende! Und doch: Was für ein wunderbares Ende! Als man ihn an das Kreuz hinhängt, spuckt er nicht Gift und Galle gegen seine Feinde. Er betet sogar für sie. Und dann tröstet er noch einen Mörder, der mit ihm am Kreuz hängt.
    Die Art und Weise wie einer stirbt, zeigt uns auch etwas über das Wesen eines Menschen. Und bei Jesus sehen wir am Kreuz nur Liebe und nochmals Liebe, nur Vergebung und nochmals Vergebung. So ist Jesus und so ist Gott.
    Wer Gott finden will, der muß ihn am Kreuz auf dem Hügel Golgatha suchen. Sein Leib wurde dort hochgezogen, daß ihn auch der Kleinste sehen kann. Seine Hände wurden ausgespannt, daß ihn auch der Fernste erreichen kann. Jesus wurde getötet, daß auch der Ärmste merken kann: Ich darf leben.
    Im Sommer war ich im Film "Stadt der Engel". Eine traurig-schöne Liebesgeschichte mit der Meg Ryan und dem Nicolas Cage. Da verliebt sich ein Schutzengel in eine junge Frau. Für sie gibt er seine unsterbliche Existenz auf. Für sie wird er ein sterblicher Mensch. Für sie nimmt er in Kauf, daß ihn eine Gang zusammenschlägt. Ein paar Stunden nur sind die Beiden, der Ex-Engel und die Frau zusammen glücklich. Dann stirbt sie. Aber trotzdem bereut er nicht, seine himmlische Existenz aufgegeben zu haben. Ein Filmmärchen, sicher.
    Aber hat sich Jesus nicht ganz ähnlich verhalten? Er wurde ein verletzlicher, sterblicher Mensch, aus Liebe zu uns. Und das Tollste. Das ist nicht bloß eine ausgedachte Geschichte von irgendeiem Drehbuchautor. Das ist keine alte Märchengeschichte. Was Jesus ist und tut, sind keine bloßen Behauptungen. Sondern das ist alles erfahrbare Wirklichkeit. Wer Jesus vertraut, der macht mit ihm auch Erfahrungen, der merkt, daß Gott in sein Leben hineinkommt. Der erfährt seine Liebe und seine Vergebung. Wer immer nur kritischer Zuschauer ist, an dem geht das Leben vorbei. So ist es auch mit dem Glauben an Jesus. Nur wer ihm vertraut, der spürt etwas von dem Leben, das von ihm ausgeht.
    Ich denke da an einen Mann wie Zinzendorf. Er machte diese umwerfende Erfahrung, von der ich eben sprach. Er war Adliger, Grafensohn und lebte nach dem Prinzip: PZA - d.h. Papi zahlt alles. Sein Taschengeld war nicht gerade knapp bemessen. Und was macht er mit seinem vielem Geld? Dolce Vita, Urlaub, Reisen natürlich. Mal schnell Shopping in London oder ein Weekend in New York, das war damals vor 250 Jahren noch nicht so in. Mit einer Kutsche kommt man halt nicht so weit. Aber immerhin machte er einmal eine Reise durch Europa. Er kam auch nach Düsseldorf. Nicht um einen kleinen Einkaufsbummel auf der "Kö" zu machen sondern um die berühmte Kunstgalerie zu besuchen. Vor einem Bild blieb er stehen, fasziniert und betroffen zugleich. Es stellte Jesus am Kreuz dar. Und da stand noch etwas am unteren Bildrand : "Das tat ich für dich, was tust du für mich?" Diese Worte trafen ihn wie ein Hammer. Da ging ihm auf, was vielen vor und nach ihm aufgegangen ist:
    "Das ist schon der Hammer, wie wir mit Gott umgehen. Wenn es uns gut geht, denken wir selten an ihn. Wenn es uns schlechtgeht, geben wir ihm die Schuld und melden uns empört bei ihm. Das ist ein Hammer. Wir behandeln Gott häufig so, als wäre er unser Dienstbote oder unser Schoßhündchen.
    Das ist schon der Hammer, wie Gott uns behandelt. Er wird Mensch, lebt unser Leben und stirbt unseren Tod. Er schenkt uns Jesus und mit ihm alles, was wir brauchen. Er rechnet uns unsere Schuld nicht zu. Er nimmt uns auf in seine Familie. Er nimmt uns immer wieder an. Er gibt uns seinen Heiligen Geist. Er gibt uns Aufträge, die unser Leben reich und sinnvoll machen. Das ist der Hammer."
    Das ging also dem jungen Zinzendorf auf. Von nun an hatte sein Leben eine neue Mitte. Nicht mehr Luxus und Genießen, sondern Jesus und seine Mitmenschen. Sein Leben änderte sich total. Er erfand u.a. die Losungen, heute das am meisten gelesene Andachtsbuch der Welt.
    Wer an Jesus glaubt, hat nun einen Heiland. Ich scheue mich nicht, dieses altmodisch klingende Wort für Jesus zu gebrauchen. "Heiland", das gibt genau das wieder, was er ist, einer, der alles in meinem Leben heil machen kann. Und das heißt schon etwas. Denn was kann in einem Leben nicht alles kaputtgehen. Es können mir liebe Menschen sterben. Da kann er mich mit seinem Wort trösten. Ich kann in ausweglose Lagen kommen. Da kann er mir neuen Mut geben und mir helfen. Deshalb brauche ich nicht verrückt spielen und vor Angst durchdrehen, weil ich weiß, daß Er immer bei mir ist. Und was hat die Sünde nicht schon in unserem und in dem Leben anderer kaputtgemacht! Wer könnte da nicht ein Lied davon singen?! Aber da ist es doch wunderbar, daß wir an einen glauben dürfen, der uns unsere Schuld abnehmen will, dadurch, daß er zu uns spricht: "Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben!" Das heißt ja, wir dürfen unbelastet von unserer Vergangenheit in der Gegenwart leben und ohne Angst in die Zukunft blicken. Denn ich brauche mich doch nicht zu fürchten, wenn ich weiß, daß Gott auf meiner Seite steht!
    Jesus ist der Heiland, derer, die ihm vertrauen. Dies gilt auch dann, wenn der letzte "Kaputtmacher" in unserem Leben auf uns zutritt. Das ist der Tod. Er wird unseren Leib gänzlich vernichten. Es bleibt einmal nichts mehr von ihm übrig, ob man mit 18 oder mit 80 stirbt. Eine grausige Vorstellung! Aber trotzdem darf ich mich an das Wort Jesu halten: "Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt." Auch der Tod kann mich nicht von der Liebe Gottes trennen. Sondern ich darf bei ihm in der Ewigkeit leben und werde dort einen neuen Körper besitzen, der nicht mehr von Krankheit, Alter und Tod geplagt werden kann. Sicher, diese Zukunftsaussichten klingen phantastisch, wie frommer Science-Fiction. Aber einer, der einmal in seinem Leben die Wahrheit der Worte Jesu erfahren hat, der nimmt ihm auch das Versprechen des ewigen Lebens ab.
    Es gibt Leute, die sagen: Gott interessiert mich nicht. Was hat er schon für mich getan? Er hat mehr getan für uns als jeder andere Mensch. Er ist am Kreuz für dich elendiglich gestorben, damit er dir das alles schenken kann, was ich oben gerade aufgezählt habe.
    Der Glaube an Jesus, - das ist ein Ding. Und der ist ein kluges Köpfchen, der sich auf diesen Glauben einläßt. Und zwar heute und nicht erst nach dem zweiten Schlaganfall. Den nenne ich cool und clever, der schon als junger Mensch mit Jesus lebt, nicht erst als alter Knacker, wenn das Leben schon gelebt ist.
    Leben leben, - wie geht das? Ich hoffe, ich habe eine verständliche Antwort gegeben.