Ansprache beim Jugendevent am 16.10.99: "Gibt es ein Leben vor dem Tod?"
(von Pfarrer Dieter Opitz)


"Gibt es ein Leben nach dem Tod?" - so fragt einer in einem hingesprühten Hilferuf an der Wand einer Hamburger U - Bahnstation. Ein anderer sprüht dazu die genauso entscheidende Frage: "Gibt es ein Leben vor dem Tode?" Ein Leben, das sich wirklich lohnt?
     Die Antworten auf beide Fragen hängen zusammen. Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt, gibt es auch kein Leben vor dem Tod. Dann ist die Hintergrundmelodie des Lebens die Angst, daß irgendwann einmal ja Schluß ist. Diese Angst kann ich natürlich verdrängen. Sie in irgendeinen Winkel meines Unterbewußtseins verbannen. Ich kann mich selber austricksen und mir einreden: Wenn ich lebe, betrifft mich nicht der Tod. Wenn ich tot bin, erst recht nicht mehr. Also bringt es überhaupt nichts, über den Tod nachzudenken. So versuchten es sich schon die Stoiker einzureden. Das waren Philosophen vor 2000 Jahren.
     Aber irgendwann kommt die eingesperrte Angst hoch, wenn ich mit dem Tod konfrontiert werde, oder wenn ich gezwungen werde, über den Tod nachzudenken. Ein Religionslehrer stellte einmal 530 Jugendlichen die Frage: "Was würdest du tun, wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest?" Ich selber habe diese Frage dutzenden Schülern der 9. Klassen gestellt. Die Antworten deckten sich mit denen, die jener Religionslehrer erhielt. Es war so, als ob diese Frage eine Schleuse öffnete, die die Angst und Verzweiflung bisher zurückhielt. Sehr häufig waren die Antworten: Saufen, Kiffen, Sex und Vergewaltigung, Verbrechen ausüben, Selbstmord begehen. Alles Antworten, die eine tiefe Verzweiflung und Sinnlosigkeit ausdrückten. Die sie gaben, glaubten nicht an ein Leben nach dem Tod.
     Ein Vater sagte zu seinem Sohn: "Wenn einer stirbt, dann ist das, wie wenn eine brennende Glühbirne aus der Fassung gedreht wird. Dann ist es zappenduster." Und als dieser Vater dann an Krebs erkrankte, hat er sich eine Pistole genommen und in den Mund geschossen. Er wollte nicht mehr leiden.
     Natürlich kann man das Leben und den Tod so sehen. Die Bibel redet da allerdings anders. Sie bezeugt, daß es auch nach dem Tod noch etwas gibt. Unser Leben endet nicht im Nichts. Ein solches Leben wäre sinnlos und verdiente den Namen Leben nicht. Sondern unser Leben hat ein Ziel. Das ist die Ewigkeit bei Gott. Unter anderen Bedingungen, in einer anderen Dimension, aber als die gleiche Person werden wir weiterleben. So sagt es die Bibel. Aber wer gibt uns die Gewißheit, daß diese Aussagen nicht nur frommes Märchen sind? Niemand anders als Jesus Christus. Sein Grab war leer. Diese Tatsache konnten sogar seine Gegner nicht leugnen. Er war auferstanden und zeigte sich als der Lebendige seinen Anhängern, den Jüngern. Viele von ihnen machten sich nach der Begegnung mit dem Auferstandenen auf den Weg. Sie durchreisten zu Fuß die ganze damals bekannte Welt und erzählten jedermann: "Dieser Jesus lebt. Er ist von den Toten auferstanden. Er ist der Herr der Welt." Sie riskierten dabei ihr Leben. Die meisten von diesen Jüngern mußten wegen dieses Glaubens an den Auferstandenen sterben. Meint ihr, sie hätten ihr Leben riskiert, wenn sie nicht wirklich dem auferstandenen Christus begegnet wären? Unmöglich! Dieser Jesus gibt bis auf den heutigen Tag Lebenszeichen von sich. Er redet mit denen, die an ihn glauben durch sein Wort der Bibel und sie erfahren immer wieder, daß er in ihr Leben eingreift. So habe ich es immer wieder erlebt. Und das gleiche könnten Millionen von Menschen bezeugen, die auch an Jesus glauben. Dieser Jesus ist von den Toten auferstanden. Er ist der lebendige Beweis dafür, daß es nach dem Tode weitergeht.
     Das Ziel unsres Lebens ist das ewige Zusammensein mit Gott. So sehr liebt er uns, daß er in Ewigkeit nicht ohne uns auskommen möchte. Und die wichtigste Lebensfrage lautet nun nicht: Habe ich einen schnuckeligen Freund? Habe ich einen Job, der mir Spaß macht? Habe ich genug Geld, um mir all das leisten zu können, was ich mir wünsche? Habe ich eine intakte Familie? Nein, all das ist nicht das Entscheidende. Denn all das, was ich aufgezählt habe, vergeht einmal. Das zählt nicht mehr, wenn ich tot bin. Die entscheidende Frage lautet: Habe ich einmal einen Platz in der Ewigkeit Gottes?
     Wie wird das wohl sein, wenn wir einmal in der Ewigkeit landen? Wir wissen nicht wann. Aber das Daß ist sicher. Denn sterben müssen wir alle. Keiner kann so einfach in den Himmel hineinspazieren, weil Gott uns ja so lieb hat und weil wir so brav waren. Nein, so einfach geht das nicht. Im Neuen Testament steht der Satz: "Jeder von uns, jeder Mensch muß einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht." (Hebräer 9,27) Und beim Apostel Paulus lesen wir: "Es kommt nur darauf an, alles zu tun, was Gott gefällt. Denn einmal werden wir uns alle vor Jesus Christus als unserem Richter verantworten müssen." (2. Korinther 5,10) Gott hat uns dieses Leben gegeben. Es ist sein Leben, nicht unser Leben. Und er wird uns einmal fragen, was wir mit seinem Geschenk gemacht haben. Ob wir unser Leben nur nach unseren Interessen gestaltet haben oder ob wir uns nach seinem Willen gerichtet haben.
     Es findet also einmal eine Art Prozeß gegen uns statt. Je nachdem, wie das Ergebnis der Beweisaufnahme sein wird, wird auch das Urteil ausfallen: Freispruch oder Verurteilung.
     Es ist sicher die absolute Härte, zu einem Leben ohne Gott verurteilt zu werden, und zwar in alle Ewigkeit. Aber die Hölle ist keine Erfindung der mittelalterlichen Kirche, um den Leuten Angst einzujagen. Nein, Jesus selbst redet an über 20 Stellen im Neuen Testament von der Hölle. Wenn ich jetzt ganz deutlich davon rede, daß es eine Hölle gibt, daß ein Mensch wirklich verloren gehen kann, dann möchte ich nicht drohen, sondern warnen. Ich wäre ein Schuft, wenn ich nicht davon reden würde. So wie auch ein Arzt ein Schuft wäre, wenn er seine Patienten nicht warnt und sagt: "Wenn Sie Ihren Lebensstil nicht ändern, dann werden Sie krank oder sterben." Oder wie ein Vater unverantwortlich handeln würde, wenn er seinen Kindern nicht sagen würde: "Wenn du auf die heiße Herdplatte langst, verbrennst du dir die Finger." Es ist nicht egal, wie wir leben. Alles, was wir denken, reden tun oder nicht tun, hat einmal seine Folgen.
     Gott läßt uns die Freiheit, unser Leben auch ohne ihn und nach seinem Willen zu fragen, zu führen. Aber das ist dann kein Leben. Das ist der Tod vor dem Tod. Denn ohne Gott zu leben ist kein Leben.
     Gott hat uns die 10 Gebote gegeben, nach denen wir uns richten sollen und einige Ausführungsbestimmungen, wie in der Bergpredigt Jesu. Wir können uns natürlich einen Dreck um diese Gebote scheren, wir können uns um Gott nicht kümmern, können nicht im Gebet mit ihm reden und uns statt dessen mit Gläserrücken oder Pendeln einlassen, können lieber ausschlafen und Computer spielen, als sein Wort zu hören, können unsere Eltern ärgern, können andere beleidigen, mit Worten niedermachen oder mit Verachtung strafen, können Pornos und erotische Filme schauen, vor und neben der Ehe mit anderen schlafen, können andere betrügen, beklauen und belügen, können eifersüchtig und neidisch sein. Aber wir müssen uns auch über die Folgen im Klaren sein. Wer das tut, was ich eben aufgezählt habe, lebt in der Sünde und wird einmal nicht ins Reich Gottes kommen. Das ist alles ein Indiz, ein Hinweis dafür, daß du ein Leben ohne Gott geführt hast. Denn Sünde, das ist nicht einen anderen umbringen oder eine Bank ausrauben. Das sind Erscheinungsformen von Sünde. Sünde heißt, daß ich mein Leben so führe, wie ich es selbst für richtig halte, daß ich ohne Verbindung mit Gott lebe.
     Versuche dir einmal die Beweisaufnahme vor dem göttlichen Gericht vorzustellen. Jeder Gedanke wird da ans Tageslicht gebracht, jedes Wort kommt zur Sprache, jede Tat wird beurteilt und auch das, was wir nicht getan haben, an Gutem unterlassen haben, kommt auf den Tisch. Mußt du nicht sagen, wenn das wirklich stimmt, und es stimmt, denn Jesus und sein Wort lügen nicht, dann bin ich ein verlorener Mensch?
     Wenn du meinst, das alles was ich gesagt habe, ist Panikmache. So genau muß man das mit den 10 Geboten schon nicht nehmen. Und Gott wird es auch nicht so genau nehmen, dann bitte einmal Gott, daß er dir zeigt, wie du wirklich bist. Aber wenn du nun mir zustimmst, und erkannt hast: Eigentlich bin ich reif für die Hölle, dann möchte ich dir gratulieren. Dann hast du die besten Voraussetzungen, um mit Gott ein sinnvolles Leben zu führen und einmal in den Himmel zu kommen.
     Denn so fängt Christsein an: Mit einem großen Fragezeichen. Einem Fragezeichen, das ich nicht hinter die anderen stelle, nicht hinter Gott sondern hinter mir selbst. Du kannst Gott nicht imponieren mit großen Worten und großen Taten. Ihm imponiert nur, wenn du ganz ehrlich geworden bist, wenn du deine ganze Schuld vor ihm erkannt hast
     So lesen wir es auch im Neuen Testament an verschiedenen Stellen. Jesus erzählt z.B. einmal von einem Zolleinnehmer. Der kam in den Tempel zu Jerusalem, um zu beten. Verlegen blieb er am Eingang stehen und wagte kaum aufzusehen. Schuldbewußt betete er: "Gott! Vergib mir, ich weiß, daß ich ein Sünder bin!" (Lukas 18,13) Jesus gab folgenden Kommentar zu diesem Gebet ab: "Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause." (Lukas 18,14)
     Von seiner Schuld befreit nach Hause gehen, das kann ein jeder von euch. Glaubt mir: Das ist das Wunderbarste im Leben, wenn meine Schuld mir vergeben ist. Denn dann weiß ich: Gott hat mich angenommen, wie ich bin. Er ist mein Verbündeter, der durch dick und dünn mit mir durchs Leben geht. Niemals läßt er mich im Stich. Jesus sagte einmal von denen, die an ihn glauben und ihn kennen: "Ihnen gebe ich das ewige Leben, und sie werden niemals umkommen. Niemand kann sie aus meiner Hand reißen."(Johannes 10,28) Dann weicht auch die offen eingestandene oder versteckte Angst vor dem Tod. Zumindest verliert diese Angst ihre Macht. Vielmehr lebe ich aus dem Grundgefühl der Geborgenheit heraus. Es ist ja immer einer da, der mächtiger ist als alles, was mich bedrängt: Jesus Christus. Ist das nicht wunderbar, so leben zu dürfen? Es gibt ein Leben vor dem Tod. Dieses Leben beginnt mit der bewußten Annahme der Vergebung Gottes. Und dieses Leben hört nie auf. Es geht immer weiter. Es geht weiter nach neuer Schuld. Dann kann ich ja wieder zu Jesus gehen und ihn um Vergebung bitten. Es geht weiter auch nach tiefer Traurigkeit, nach Verlusten, wenn dir das genommen wird, was dein Leben lebenswert macht. Du brauchst nicht zu verzweifeln. Jesus fängt dich auf, wenn du in tiefe Abgründe stürzt. Er führt dich weiter, zeigt dir einen Neuanfang, schenkt dir neue Liebe und neue Erfahrungen mit ihm. Du darfst ihm alles sagen, was dir auf dem Herzen liegt. Er hört dein Gebet. Der Himmel ist nicht verschlossen. Dieses Leben geht weiter auch nach deinem Tod. Wenn du die Augen zumachst, dann wachst du in der Ewigkeit Gottes auf. Das hat Jesus denen versprochen, die an ihn glauben. Ich nehme ihm sein Versprechen ab, denn habe schon oft genug in meinem Leben erfahren, daß ich mich auf sein Wort verlassen kann.
     Neugierig geworden? Sehnsucht bekommen nach diesem Leben, dem Leben vor dem Tod? Dann laß dir einen guten Ratschlag geben: Laß diese Worte nicht an dir vorüberrauschen. Denke nicht nur über das nach, was du heute gesehen und gehört hast. Sondern mach Nägel mit Köpfen. Und zwar jetzt! Jetzt, heute abend, ist eine günstige Gelegenheit, ein Leben mit Jesus zu beginnen. Du bekommst keine bessere, und vielleicht gar keine mehr. Bete jetzt zu Jesus, der dir alle deine Schuld vergeben kann: "Vergib mir meine Schuld und gib mir das ewige Leben! Laß mich mit dir leben und mit denen, die an dich glauben!"
     Ich habe es geschenkt bekommen. Und ich möchte nun euch dabei helfen, daß ihr es annehmen könnt. Daß ihr glauben könnt. Wer glaubt, dem gilt das wunderbare Versprechen Jesu: "Wer mein Wort hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, der wird ewig leben. Ihn wir das Todesurteil Gottes nicht treffen, denn er hat die Grenze vom Tod zum Leben schon überschritten." (Johannes 5,24)