"Ich will raus!" - Ansprache zum Jugendevent "Good News about Jesus" vom 14.10.2006

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1. Teil

"Ich will raus!" So hieß dieser Song, den wir eben gehört haben. Bei der Originalaufnahme weinte der Sänger Purple Schulz echte Tränen. Sein Schrei "Ich will raus!" war nicht gespielt. Er war echt. "Ich will raus!" war eine Zeitlang die zweite Nationalhymne der DDR. Vielleicht ist der Satz "Ich will raus!" auch die Hymne deines Lebens.

Palmenstrand

Mit 16, 17 hing ich gern einem bestimmten Tagtraum nach. Nach der Schule und nach dem Mittagessen legte ich mich erst einmal aufs Bett, um mich auszuruhen. Dann stellte ich mir vor, vor allen Dingen in den trüben Wintermonaten, dass hinter der Schranktür ein warmer Sandstrand auf mich wartet, mit viel Sonne und einem blauen Meer - und vor allen Dingen keine Schule, keine Hausaufgaben, keine Schulaufgaben, kein Notendruck.

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Vielleicht hast du ja ähnliche Träume und Sehnsüchte: Rauskommen aus deiner kleinen, engen Welt, raus aus all deinen Zwängen. Vielleicht hast du Stress in der Schule. Die Noten passen nicht. Ein Lehrer hat dich auf dem Kicker. Oder die Eltern wollen unbedingt, dass du einen bestimmten Schulabschluss schaffst. Aber du willst nicht.

überall wird Leistung verlangt: in der Schule, an der Uni und im Beruf. Manche tun sich hart, die Erwartungen, die an sie gestellt werden, zu erfüllen, manche enden als Schulversager und fassen im Berufsleben nicht Fuß. Manche kommen mit dem Leistungsdruck ganz gut klar. Aber sie leiden darunter. Manchmal ist es auch ihr eigener Ehrgeiz, der sie fast auffrisst: Tag und Nacht lernen, keine Freizeit mehr, damit man die fünfzehn Punkte schafft.

Eigentlich ist es eine verrückte Gesellschaft, in der wir leben. Wir setzen uns und einander unter enormen Leistungsdruck. Das fängt schon in der Schule an und geht bis zum Rentenalter. Wir müssen immer schneller und besser arbeiten. Zum Leistungsdruck kommt auch noch der Zeitdruck. In der Freizeit, die wir haben, muss dann zum Ausgleich auch immer mehr, besser und schneller erlebt werden. Die Angst etwas zu verpassen, setzt uns unter einem neuen Druck, genannt "Freizeitstress". Aber wer sich nur über seine Leistung definiert, der gerät unter einen selbst gewählten Zwang, der ihn nicht glücklich macht.

Mobbing Mädchen

Unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene gehen mit Angst in die Schule oder an ihren Arbeitsplatz, weil sie gemobbt werden. "Ich werde aufs übelste beschimpft und gemieden - vor allen Dingen von den Jungen in meiner Klasse. Ich hab' schon mal Schule geschwänzt, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Bald kann ich nicht mehr" schreibt ein Mädchen in ein Weblog. Eine 17jährige erwischt es bei ihrem Schulwechsel. Wenn sie sich im Unterricht beteiligen will, fahren andere sie an: "Halt doch's Maul!" lauten die harmlosesten Bemerkungen. Sie wird verleumdet, falsche Gerüchte über sie in die Welt gesetzt. Fix und fertig sagt sie: "Die vier Wochen bis zu den Ferien kommen mir so unglaublich lang vor. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll!"

Waage

Ein verzerrtes Schönheitsideal treibt viele Mädchen und junge Frauen in die Magersucht. Die 20jährige Doris hungerte sich von 55 auf 47 Kilo herunter. Doch das war ihr immer noch zu viel Körpergewicht. Sie nahm immer weiter ab. Eine innere Stimme befahl ihr, was sie zu tun und zu lassen hatte. Diese Stimme war streng: "Du bist es nicht wert, etwas Gutes zu essen." Die Jahre ihrer Magersucht waren die Hölle.

Prada, Versace, Adidas, Nike, H&M, S.Oliver

Schön sein, und noch mehr anerkannt sein, hängt für andere an den Klamotten, die sie tragen. Ob es nun teure Marken wie Prada oder Versace sind, ob es die Schuhe von Adidas oder Nike sind, oder Massenware von H&M und S. Oliver, viele Jugendliche beugen sich dem Zwang, "in" zu sein. Auch wenn man es sich eigentlich nicht leisten kann. Hauptsache, man trägt das, was in der Clique oder Klasse gerade angesagt ist. Man will ja nicht als Außenseiter gelten.

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"Tu das!" "Lass das!" In der Kindheit haben wir alle diese Sätze von unseren Eltern gehört. Nun sind es Mitschüler, Kollegen, Kumpels, Freunde, Lehrer, Vorgesetzte, die uns mit solchen Sätzen unter Druck setzen können. Und oft ist es eine innere Stimme, die uns fortgesetzt zu Dingen veranlasst, die wir eigentlich gar nicht wollen.

Viele junge Menschen und auch Erwachsene befriedigen sich selbst, obwohl sie es eigentlich gar nicht mehr wollen. Aber ihr Verhalten ist für sie zu einer quälenden Sucht geworden. Andere sind nach Pornos süchtig. Sie leiden darunter, aber sie können es nicht lassen, im Internet nach bestimmten Bildern oder Filmen zu suchen oder entsprechende Zeitschriften zu studieren.

Ich denke an einen jungen Mann, der sich immer wieder Pornomagazine anschauen muss. Es ekelt ihn selber an. Einmal hält er es nicht mehr aus, zerreißt seine Zeitschriften und wirft sie in die Mülltonne. Am nächsten Tag holt er sie wieder heraus und setzt sie wieder zusammen, - unter Tränen. Was ist das nur für eine Macht, die einen Mann so erniedrigt, dass er Dinge tut, die er eigentlich gar nicht will?

Viele wissen: Dieses oder jenes Verhalten tut mir oder auch anderen nicht gut. Aber sie reden sich ein: "Ich kann es ja jederzeit lassen! - Wenn ich will." Aber stimmt dies auch?

Ketten

Eine Geschichte aus dem Mittelalter erzählt von einem Schmied. Er hatte Kräfte wie ein Bär und konnte besonders gute Ketten schmieden, die niemand zu sprengen vermochte. Eines Tages wurde der Schmied bei einem Diebstahl überrascht und in das Gefängnis gebracht. Dort wurde er mit Ketten gefesselt. Er lachte in sich hinein, weil er daran dachte, wie leicht er mit seinen Riesenkräften die Ketten würde sprengen können. Doch er wurde bleich vor Entsetzen, als er an der Kette das Zeichen seiner Schmiede erkannte. Nun saß er in seinen eigenen Ketten gefangen, und die waren so gut gemacht, dass selbst er ihnen nicht entkommen konnte.

So haben wohl viele versucht, aus ihren Süchten und Abhängigkeiten herauszukommen. Bis sie gemerkt haben: Die selbst geschmiedeten Ketten, die selbst geschaffenen inneren Zwänge, haben sie so sehr gefangen genommen, dass sie sich von ihnen nicht mehr befreien konnten.

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Aber ebenso gibt es auch viele, die erfahren haben: Da hat ihnen ein anderer ihre Ketten abgenommen und sie frei gemacht. Das war Jesus.

2. Teil

Dazu ist er ja in diese Welt gekommen, um die Menschen von ihren Zwängen zu befreien. Dieser Jesus ist ja mehr als ein Wanderprediger, der ein paar coole Sätze von sich gab, die heute noch von Bedeutung sind. Sondern er ist der Mensch gewordene Gott, der sein Leben in der Welt Gottes mit den Bedingungen hier auf unserem Planeten vertauschte. Er zog vom Himmel auf die Erde um. Vergleichbar ist so ein Verhalten wie das eines Millionärs, der seine Luxusvilla mit einem wackligen Wellblechhäuschen in einem der Elendsviertel dieser Welt vertauscht - freiwillig! Das Motto seines Lebens lautete auch: "Ich will raus!" Raus aus dem Himmel auf die Erde, raus aus der Reinheit in den Dreck, raus aus der göttlichen Freiheit in die menschlichen Zwänge. "Vom Paradies in die Folterkammer", das ist nicht der Titel eines Gruselfilmes, das ist die Lebensgeschichte von Jesus. Freiwillig setzte er sich den größten Zwängen aus, die man als Mensch durchmachen kann. Er ließ sich gefangen nehmen, wurde zu einem Spielball sadistischer Folterknechte, die ihn bis aufs Blut quälten und schließlich an ein Kreuz hingen, wo er jämmerlich wie ein Stück Vieh krepierte.

Kreuz Gibson

Es ist wirklich eine schockierende Geschichte, die uns da die Evangelien erzählen, die Geschichte eines Mannes, der seine Freiheit mit der Sklaverei vertauschte. Und doch ist es auch eine tröstliche Geschichte. Denn seitdem Jesus das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, durchgemacht hat, dürfen wir wissen: Gott weiß, wie auch dir zumute ist, wenn du unter deinen Zwängen leidest. Auch er wurde gemobbt, ausgelacht, herumgeschubst. Am Kreuz war er von Menschen und auch von Gott verlassen. Es ist unfassbar, schockierend aber wahr: Dort am Kreuz machte er die Hölle der Junkies, der Alkohol- und Nikotinabhängigen, der Pornosüchtigen, der vom Ehrgeiz und ihre Eitelkeit Zerfressenen durch. Er, der immer voller Liebe mit anderen umging, musste nun erleben, wie Gott mit dem umgeht, der immer nur an sich denkt. Stellvertretend für uns trug er unsere Strafe, so heißt es in der Bibel.

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Die Lebensgeschichte von Jesus, eine schockierende, eine tröstliche und auch eine wunderbare Story. Sein Tod am Kreuz war ja nicht das Letzte. Sondern er ist von den Toten auferstanden. Wenn einer sogar stärker ist als der Tod, dann heißt das doch: Seine Macht hat keine Grenzen. Dann kann er doch auch mächtiger als meine Zwänge und Abhängigkeiten sein. Und so ist es auch. Einer seiner letzten Sätze auf dieser Erde lauteten:

" Ich habe von Gott alle Macht im Himmel und auf der Erde erhalten."

Er ist auch in deinem Leben mächtiger als alles, was dich bedrücken oder unterdrücken will, mächtiger als alle Zwänge, denen du dich ausgeliefert fühlst, ob sie nun selbstverschuldet sind oder nicht. Wenn du das glaubst, dann kann dein Leben vollkommen verändert werden. Denn dann wirst du erfahren: Ich bin kein Spielball von Menschen, die mit mir machen können, was sie wollen, ich bin kein ohnmächtiges Opfer von irgendwelchen Strukturen, und auch die Ketten meiner selbst verschuldeten Abhängigkeiten können fallen.

Er holt dich nicht aus allen Zwängen heraus. Denn wir leben auf dieser Erde und noch nicht im Himmel. Und da gibt es eben auch boshafte und gemeine Menschen, da gibt es eine auch manchmal harte Schul- oder Arbeitswelt, in der wir mancherlei Zwängen ausgesetzt sind. Aber diese Zwänge müssen dich nicht mehr kaputt machen, sondern du kannst in ihnen bestehen. Wer an Jesus glaubt, der darf nun auch immer wieder das Eingreifen einer anderen Wirklichkeit erfahren. Du kannst beten: "Herr Jesus Christus, du hast doch alle Macht. So hilf mir doch auch in meiner Lage." Er lässt dich gewiss nicht im Stich.

Vielleicht gibt er dir den Mut, die Kraft, über dich hinauszuwachsen, dass du dich selber wunderst, wie du eine schwierige Situation bewältigt hast.

Als blutjunger Berufsanfänger ging es mir einmal so. In einer Woche hatte ich ungeheuer viel zu tun: Meine erste Beerdigung, die halten sollte, meine erste Trauung, ein wichtiger Gottesdienst und viele andere Termine auch noch. Ich wusste gar nicht, wo mir der Kopf steht und wie ich das alles schaffen sollte. Doch da fiel mir ein Wort aus den Psalmen ein:

"Der Herr legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch." Dieser Psalmvers hat mir geholfen und mich ruhiger gemacht. Ich fing mit meiner Arbeit an, machte eines nach dem anderen. Vieles ging schneller, als es sonst der Fall war. Und Freitag Nachmittag war ich mit allen Vorbereitungen fertig. Ich hatte sogar noch Zeit für mich selbst.

Vielleicht stellt er dir auch in deiner Situation einen anderen Menschen zur Seite, der zu dir hilft. Als ich einmal gemobbt wurde, da geschah dies so. In einer Sitzung stellte sich jemand, von dem ich es gar nicht erwartet habe, auf meine Seite und alle anderen mussten schweigen.

Gott kann dir auch durch gute Ratschlage von anderen Menschen, Menschen mit Sachverstand, Lebenserfahrung und vor allen Dingen auch Glaubenserfahrung helfen, und zwar im persönlichen Gespräch. Es kann ein Mensch in so verzwickte Situationen hineinkommen, da hilft ihm oft kein Vortrag allein. Sondern da braucht es ein Gespräch unter vier Augen, bei dem man miteinander reden, nachfragen, konkrete Ratschläge und vor allen Dingen miteinander beten kann. Wenn du willst, kannst du nach dem Abend so ein Gespräch mit mir führen. Wir suchen uns dann eine ruhige Ecke und du kannst dein Herz ausschütten. Ich höre dir gerne zu, versuche dir zu helfen und vor allen Dingen wollen wir zum Schluss Gott um Hilfe anrufen, dem es nicht zu schwer ist, um auch deine Lage zu ändern. Und wenn du meinst, so ein Gespräch wird eine längere Geschichte, dann kannst du mit mir auch einen Termin vereinbaren, wo wir uns in Ruhe zusammensetzen können.

So ein Gespräch ist wichtig, auch wenn und gerade wenn selbst verschuldete Zwänge eine Rolle spielen. Denn da geht es ja um Schuld, die dir in so einem Gespräch abgenommen werden kann. Es können wirklich Lasten und Zwänge von dir abfallen, durch den Zuspruch der Vergebung.

Aber natürlich setzt so eine wunderbare, befreiende Erfahrung eine gewisse Ehrlichkeit voraus. Ich muss merken: Ich habe mir falsche Ziele gesetzt, die mich nicht glücklich sondern kaputt gemacht haben. Das kann ein überzogenes Streben nach Erfolg in der Schule, in der Ausbildung oder im Beruf sein, - und du kommst nicht mehr zur Ruhe. Das kann ein falsches Schönheitsideal sein, dem du nachjagst, - und du ruinierst deinen Körper. Das kann das Streben nach Anerkennung der anderen sein, - und bist gar nicht mehr du selber. Es kann die Sehnsucht nach Spaß, Entspannung und Aufregung sein, - und landest in der Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin, Drogen oder Porno.

Freiheit

Was es auch ist, diese Lasten, die du mit dir herumschleppst, kann dir Jesus abnehmen. Und er gibt dir dafür etwas anderes: seine vergebende Liebe, seine Anerkennung, die mehr wert ist als die von jedem Menschen. Diese Erfahrung kann dein Leben verändern, dir andere Ziele geben und auch die Kraft, sie zu verwirklichen.

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Ich denke an die magersüchtige Doris, von der ich schon erzählt habe. Sie gelangte zu einem absoluten Tiefpunkt. Ihr Leben hing nur noch an einem seidenen Faden. Oft sank ihre Körpertemperatur auf 34 Grad, obwohl sie ununterbrochen 3 Strumpfhosen, 2 Jeans, 3 Pullis und manchmal eine Winterjacke trug. Einmal war sie halb erfroren, unfähig sich zu bewegen und zu reden und wartete nur noch auf das Einschlafen ohne Aufwachen. In diesem Zustand fand ein Freund sie auf dem Fußboden und rettete ihr Leben.

Das war für ihre Sucht der Wendepunkt. Sie betet: "Jesus schenke mir deine Liebe, damit ich wieder leben kann. Durchfließe meinen Körper mit deiner Wärme, damit ich mich wieder bewegen kann." Sie ließ sich wieder aufpäppeln und nahm wieder 14 Kilo zu.

Später schreibt sie: "Auf einmal konnte ich fühlen, wie sehr mich Jesus liebt. Wie sehr es ihn schmerzt, mich leiden zu sehen. Ich durfte erfahren, wie meine Schmerzen von Jesus geheilt wurde. Er hat mich von massiven Zwängen befreit. Der Herr hat mir neue Lebensfreude geschenkt. Er hat für mich gesorgt, als ich mich aufgegeben hatte. Er war immer da, auch wenn ich ihn nicht fühlen konnte. ... Ich kann die unendlich große Liebe von Jesus zu mir fast nicht fassen. Unser Vater ist so barmherzig und vergibt uns unsere Schuld, so wie es in Jesaja 57 steht:

"Ich sehe deine Taten genau. Und doch will ich dir wieder zurecht helfen und dich führen. Dich will ich trösten; ein Freudenlied lege ich dir in den Mund."

So kam Doris aus ihren Zwängen heraus. Und du kannst auch rauskommen. Jesus holt dich raus, wenn du willst. Er ist stärker als alles, was dich unterkriegen will. Glaube mir - nein, glaube ihm.

© 2006 Dieter Opitz